Revision einer mechanischen Uhr

05/2019: Wie viel Pflege braucht eine mechanische Uhr

Mechanische Uhren sind ein Wunderwerk der Technik mit ihren vielen filigranen und kleinen Bauteilen. Neben der Zeit können sie das Datum und den Mondzyklus mechanisch abbilden und sind gleichzeitig Wecker und Chronograph, um nur ein paar mögliche Komplikationen zu nennen.
Um diese Wunderwerke lange funktionstüchtig zu erhalten, bedarf es trotz moderner Materialien und Schmierstoffe je nach Gebrauch einer regelmäßigen Wartung. Einiges, wie zum Beispiel die regelmäßige Reinigung von Gehäuse und Armband, kann man selbst erledigen. Wird die Uhr selten getragen, sollte sie einmal im Monat aufgezogen werden, damit sich die Schmierstoffe nicht verdicken oder entmischen. Ein Uhrenbeweger für Uhren mit automatischem Aufzug ist nicht notwendig, er ist nur von Vorteil, wenn man die Uhr zum Vermeiden des teils umständlichen Korrigierens von Kalenderfunktionen am Laufen halten will. Aber genau so, wie wir es vom Auto her gewöhnt sind, muss man auch bei sorgsamen Gebrauch einen regelmäßigen „Ölwechsel“ vornehmen. Leider können wir die Uhren nicht mit Öl befüllen, was wir bequem ablassen und neu einfüllen könnten. Es würde die empfindlichen Mechanismen hoffnungslos verkleben. Je nach Belastung werden auch verschiedene Schmierstoffe verwendet, die punktgenau an die jeweilige Stelle gegeben werden müssen und dort durch Kapillarwirkung und Adhäsion verbleiben. Einflüssen von Temperatur, Luft und auch geringste Mengen von Abrieb zwingen uns auch hier dazu, die Schmiermittel regelmäßig zu erneuern. Um jede Schmierstelle reinigen und neu ölen zu können, muss die Uhr und auch das Uhrwerk bei der sogenannten „Revision“ komplett zerlegt werden.

In der mitgelieferten Gebrauchsanweisung Ihrer Uhr steht der empfohlene Jahresrhythmus, in dem eine Revision beim Hersteller oder einer geeigneten Servicewerkstatt vorgenommen werden solle.
Für unsere Uhren empfehlen wir einen Zyklus zwischen 4 und 7 Jahren.

Was geschieht mit Ihrer Uhr während einer Revision? Welche Arbeitsschritte muss die Uhr bei uns durchlaufen?

  1. Optische Begutachtung und Funktionsprüfung

Als erstes erfolgt eine äußere Bewertung und Funktionsprüfung der Uhr. Es wird geschaut, ob sich Kratzer am Gehäuse befinden, wie tief diese sind, und ob die Uhr noch wasserdicht ist. Bei einer defekten Dichtung könnte eingedrungenes Wasser zu Oxydationen geführt haben. Es ist dann mit erhöhtem Reinigungsaufwand, in schlimmeren Fällen auch mit dem Nacharbeiten oder gar Ersetzen von Teilen zu rechnen. Sollte dies den Umfang einer einfachen Revision überschreiten, erfolgt eine vorherige Rücksprache mit dem Kunden mit einem Kostenvoranschlag.

  1. Demontage der Uhr

Als nächstes erfolgt die Demontage der Uhr. Dabei wird jedes Bauteil einzeln auf Verschleiß geprüft. Gerade durch hohe Temperaturen kann der Schmierstoff unbemerkt weglaufen oder eintrocknen, was zu vorzeitigem Verschleiß führt. Auch dann müssen Teile nachgearbeitet oder getauscht werden. Bei jedem Aufbereiten bzw. Austausch von Teilen erfolgt gleichzeitig eine Funktionskontrolle. Alle Bauteile werden auf Montagetabletts thematisch sortiert und sind dann für die Reinigung bereit.

  1. Reinigung des Werkes

Im dritten Schritt reinigt der Uhrmacher alle Bestandteile. Die Reinigung der Teile erfolgt über eine Rotationsreinigungsmaschine im Ultraschallbad und verschiedenen Spülbädern. Dabei werden vor allem die Öle und Fette abgelöst, sehr festsitzende Reste von getrocknetem Fett und Abrieb werden auch zuvor schon mechanisch durch den Uhrmacher entfernt. Die Teile sind vom Werk aus mit einer Schicht, dem sogenannten Epilam, behandelt. Es erhöht die Oberflächenspannung und sorgt damit für den Verbleib der Schmierstoffe an ihrem Platz. Nach mehreren Reinigungen kann diese Schicht an Wirkung verlieren und sie muss in einem speziellen Bad erneuert werden.

  1. Gehäuse aufbereiten

Das Gehäuse wird entsprechend des Kundenwunsches gereinigt oder auch aufgearbeitet. Einige unserer Kunden wollen nur eine Reinigung des Gehäuses, die tiefen Kratzer sollen erhalten bleiben, da sie für ihn ein Zeichen von Leben darstellen. Andere Kunden wiederum wünschen sich die Aufarbeitung des Gehäuses. Dabei werden leichte Kratzer auspoliert. Tiefe Kratzer können auch mit Hilfe des Laserschweißens zuvor verschlossen werden. Dadurch kann das Gehäuse fast gänzlich auf seinen Urzustand zurückgebracht werden. Hier respektieren wir den Wunsch jedes einzelnen Kunden. Dieser Schritt erfolgt parallel zur Reinigung des Werkes.

  1. Montage

Ist die Reinigung abgeschlossen, erfolgt die erneute Montage der Uhr. Während der Montage wird immer wieder eine Funktionskontrolle der montierten Baugruppe durchgeführt, alle Schmierstellen werden mit frischem Öl und Fett versorgt. Abschließend wird das Uhrwerk neu einreguliert.

Ist alles zur Zufriedenheit beisammen, wird das Werk in das Gehäuse eingesetzt. Alle Dichtungen werden dabei auf Verschleiß (Krone) und Beschädigungen geprüft. Danach geht es für die Uhr für mehrere Tage in die Qualitätskontrolle. Die Gangkontrolle beginnt mit einem automatischen – 24h Lagetest auf der Zeitwaage, der ein Diagramm über Gang und Amplitude der Unruh in allen Lagen liefert und so ungewollte Schwankungen enttarnt. Dann kommt die Uhr auf ein Umlaufgerät, wird jeden Tag aufgezogen und abgelesen. So erhält man ein Bild von dem Gang der Uhr, wie ihn auch der Kunde empfindet. Muss die Uhr nicht mehr zum Nachregulieren geöffnet werden, wird sie einem Test der Wasserdichtheit auf 3 bar unterzogen. Besteht die Uhr alle Test, erfolgt noch eine optische und funktionale Endkontrolle durch zwei Personen.

  1. Rückversand an Kunden

Sind alle Kontrollen abgeschlossen, wird das Armband, sofern es mit eingeliefert worden war, wieder montiert und die Uhr zum Versand vorbereitet. Auf einem Reparaturschein sind alle durchgeführten Arbeiten sowie eventuell getauschte Teile nachvollziehbar für den Kunden dokumentiert. Die Uhr wird nun mitsamt der Dokumentation zum Besitzer gesandt und kann die kommenden Jahre wieder ihren Dienst verrichten.

 

Unser Kredo lautet, Servicearbeiten zeitnah auszuführen, damit der Kunde zügig seine Uhr zurückerhält. Bitte behalten Sie dabei im Hinterkopf, je mehr Komplikationen eine Uhr besitzt, umso zeitaufwändiger und damit teurer kann eine Revision sein.

Beim nächsten mal: …

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