Turmuhr Glashütte – Teil 2

Die evangelische Stadtkirche St. Wolfgang in Glashütte wurde seit ihrer erstmaligen Nennung mehrfach umgebaut. Seit 1936 beherbergt sie ein Turmuhrwerk von Zachariä aus Leipzig, welche bis zum 23. September 2019 die Zeit auf dem blauen Außenzifferblatt anzeigte.

Hier geht es zur Armbanduhr „Hommage an die Kirchturmuhr“ aus Glashütte

Ein Streifzug kurz vor der Sanierung der Kirche 2008

Links und Mitte: die schmiedeeiserne Uhr tat bis 1936 ihren Dienst | Rechts: hölzernes Zifferblatt

Vor der Sanierung der Glashütter St. Wolfgangskirche bekamen wir im Frühjahr 2008 einmal Gelegenheit, die Uhren der Kirche sowie die alten Läutemaschinen anzusehen.

Wir hatten uns nachmittags mit Herrn Rahm vor der Glashütter Kirche verabredet. Im Artikel Richard Langes veröffentlich in der „Deutschen Uhrmacher-Zeitung“ wird auf die alte schmiedeeiserne Kirchturmuhr verwiesen, an der Adolf Lange vor dem Bau seiner Hausuhr ein langes Pendel einbauen ließ, um die höhere Ganggenauigkeit bei der Verwendung langer Pendel zu testen. Das wollten wir uns vor Ort ansehen.
Herr Rahm empfing uns vor dem Eingang und führte uns auf die Empore.

In der Glashütter Kirche tat bis 1936 eine schmiedeeiserne Uhr ihren Dienst. Das Uhrwerk hatte zuvor schon die Zeiger der Johnsbacher Turmuhr bewegt. Es ersetze nun das einfache Uhrwerk ohne Zifferblatt, das die Zeit nur durch Glockenschläge mitteilte.
Die „neue“ gebrauchte Uhr erhielt um 1840 ein hölzernes Zifferblatt und wurde später durch den Uhrmacher Louis Müller mit einer Hakenhemmung versehen. Das war damals eine gängige Maßnahme, um die Gangleistungen der alten Werke, die meist Spindelhemmungen hatten, zu verbessern. In der Glashütter Uhr wurde jedoch ein kleineres Hemmrad verbaut. Grund dafür war die Idee Adolf Langes, die Ganggenauigkeit durch ein besonders langes und schweres Pendel weiter zu verbessern. Lange war ja auch von 1848-66 Bürgermeister von Glashütte. So regte er an, für diese Uhr ein 2,5-Sekunden-Pendel anzufertigen, welches dann über 6m lang war.

Uhrwerk, Pendel und hölzernes Zifferblatt sind noch heute erhalten. Herr Rahm brachte die Pendelstange auf die Empore.

Sie bestand aus einem ca. 5cm starken Rundholzstab mit gehobelter Oberfläche. Leider war der Stab mittig durchtrennt und gegenwärtig mit zwei Laschen notdürftig verbunden worden. Der Grund dafür war, dass man den schönen glatten Stab zwischenzeitlich als Handlauf am Treppengeländer missbraucht hatte, wodurch auch ein Stück fehlte. Er war schwarz lackiert (was hier aber noch die Originalfarbe gewesen sein könnte) und hatte an den Enden stark angerostete und grau überstrichene Eisenbeschläge, die durch seitliche Holzschrauben mit dem Stab verbunden waren. Der obere war ein massiver doppelter Haken mit runder Fassung, im unteren lief der Stab in einem rechteckigen Querschnitt aus. Auf der am Ende angebrachten Gewindespindel befand sich die breite, flache Stellmutter.

Nun stiegen wir mit Herrn Rahm die enge Wendeltreppe zum Turm hinauf.
Die Pendellinse befand sich getrennt von der Pendelstange im Vorraum vor der Uhr im Turm auf einem Fensterbrett. Sie war aus Gusseisen und noch im Originalzustand, hatte ungefähr 30cm Durchmesser und eine durchgehend rechteckige Öffnung für die Pendelstange.

Das Räderwerk wurde 1983 von Herrn Sauerwald etwas hergerichtet, wobei leider auch die hölzernen Walzen mit Silberbronze gestrichen wurden. Man muss entgegen aller Kritik aber bemerken, dass durch diese Herrichtung das Werk vielleicht vor der Verschrottung, auf jeden Fall aber vor weiterem Rost bewahrt wurde. Das schön geschmiedete Werk mit drei Seilrollen ist heute noch im Kirchenschiff in einer Glasvitrine (die inzwischen nicht mehr vorhanden ist) ausgestellt, dahinter steht das alte hölzerne Zifferblatt an die Wand gelehnt. Dessen römische Schriftzeichen sind sehr kunstvoll und harmonisch gezeichnet. Scheinbar fehlt am Uhrwerk die Aufhängung für das Pendel. Vergleichbare Uhren haben dafür einen längs auf dem Werk montierten schmiedeeisernen Träger. Er könnte mit der noch vorhandenen Flügelmutter befestigt gewesen sein und wurde auf jeden Fall auch erst 1850 nachgerüstet.

Durch die Renovierungsarbeiten an der Kirche sind dann leider einige Einzelteile des Pendels abhandengekommen. Dem persönlichen Einsatz von Herrn Uwe Bahr ist es aber zu verdanken, dass das Pendel doch noch in der Kirche aufgehängt worden ist, was wegen seiner Länge nicht ganz einfach war. Ich habe nach unserer Besichtigung das Pendel in seiner ursprünglichen Zusammenstellung skizziert, wobei sich ursprünglich zwischen Linse und Reguliermutter sicher ein Auflagestück befunden hat. Aus den Zähnezahlen des Werkes kann man sich die richtige Pendellänge von 6,21m herleiten.

Links: Pendellinse | Mitte und Rechts: Zeichnung der Uhrenmechanik und des Pendels

Die Zachariä-Uhr

Die seit 1936 im Turm eingebaute mechanische Uhr ist noch heute in Betrieb und zeigt die Zeit auf dem 1986 neu gefertigten blauen Außenzifferblatt an. Sie war bis zur Sanierung der Kirche in einem extra Bretterverschlag eingehaust und vom Vorraum aus auch durch ein Fenster zu sehen. Leider wurde bei der Sanierung 2008 die schöne Einhausung mit dem Fenster „entsorgt“.

Es handelt sich um ein Turmuhrwerk von Zachariä aus Leipzig. Zachariä hatte eine besondere Verbindung zu Glashütte, da er hier auf der Uhrmacherschule lernte. Die Zeiger werden über eine kurze senkrechte Welle und ein Winkelgetriebe angetrieben, auf der Zeigerwelle sitzt ein ziemlich großes Gegengewicht, um die Zeigerwelle auszuwuchten. Das Zeigerwerk ist in einem Kasten eingehaust, der auf einem Eisenträger montiert ist.

Bemerkenswert sind Übereinstimmungen mit der Bauart der Lange‘schen Hausuhr. Sicher rührt das daher, dass Zachariä auch die Hausuhr von Lange überholt hat und praktische Bauformen für seine Werke übernahm. Identisch ist die Art der Zeigerstellung, die über ein rechteckverzahntes sechzig-zahniges Rad durch Ausheben einer Sperre in Minutenschritten erfolgt. Das Rad sitzt direkt auf der Walzenwelle und ist über ein Planetengetriebe mit der Walze gekoppelt.

Herr Rahm erzählte, dass die Uhr von Herrn Vogler aus Dresden gewartet und repariert wurde. Früher befand sich an der Zeigerwelle ein waagerecht nach vorn zeigendes Kontrollzifferblatt (das kleine Kegelrad dafür ist noch vorhanden) und eine Steuerscheibe für den Aufzug und das Geläut mit Quecksilberschaltern. Diese Einrichtung wurde leider entfernt. Herr Rahm meinte, jetzt müsse man sich beim Zeigerstellen per Handy verständigen und gut aufpassen, dass man die Drehrichtung nicht verwechselt.

Links: Turm der St. Wolfgang Kirche | Mitte: blaues Zifferblatt | Rechts: Blick im Vorraum aus dem Fenster
Links: Walzenwelle | Rechts: Uhrwerk, dreiteilig mit arkadenförmigen, grün gestrichenen Gussplatinen
Links: Viertelschlag | Mitte: Schlossscheibe für Stundenschlag | Rechts: Drahtstange zur Glocke

Das Uhrwerk ist dreiteilig mit arkadenförmigen, grün gestrichenen Gussplatinen. Die Hebel sind zum Teil auch aus Guss und schwarz gestrichen, es handelt sich hier sicher noch um die Originalfarbe.

Vorn ist das Viertelschlagwerk angesetzt. Die Hebel gleiten mit Stiften auf den Nockenscheiben der Räder. Dieses Schlagwerk hat eine Besonderheit, es besitzt keine separate Schlossscheibe. Das Walzenrad trägt kurze und lange Hebnägel und dreht sich einmal pro Stunde. Der Schlosshebel hat einen angeschraubten Schuh, der dann auf einem langen Hebnagel aufsitzt, wenn der Schlag wiederholt werden soll. Die Hebnägel haben somit die gleiche Funktion wie eine Schlossscheibe. Näher am Zentrum trägt das Walzenrad noch einen einzelnen Stift, der nach Vollendung der Viertelschläge über einen langen Hebel das Stundenschlagwerk startet.

Das in Richtung Außenzifferblatt ganz vorn stehende Stundenschlagwerk ist ein Schlossscheibenschlagwerk mit außen aufgesetzter Schlossscheibe. Die Drahtstangen und die Winkelhebel zu den Hämmern sind wohl erst vor kürzerem überholt worden, die Hebel sind grau gestrichen. Vor der Wand des Vorraumes befindet sich eine hölzerne Welle an der Decke, die die Drehbewegung überträgt. Die Hämmer sind im Glockenstuhl gelagert und schlagen von außen an die Glocken an.

Links: Handkurbel | Mitte: Funktionsweise der Synchronisierung | Rechts: Synchronmotor

In der Mitte befindet sich das Gehwerk, ein gewöhnliches Grahamwerk ohne Zwischenaufzug. Deshalb ist die Amplitude des Pendels auch sehr groß. Herr Rahm kennt sich gut mit der Technik aus und pflegt diese sicher auch selbst. So ist zum Glück alles gut geschmiert (bei Turmuhren ist zu viel besser als zu wenig). Die Pendelfeder war mal gebrochen und wurde durch ein zurechtgeschliffenes Sägeblatt ersetzt, was bis heute funktioniert hat.

Die drei Einzelwerke sind längs durch eine Welle mit drei Schnecken verbunden. Ein mit einer Federkupplung angeflanschter Motor dreht über diese Welle alle drei Walzen und besorgt den Aufzug der Uhr. Die Walzen haben außenverzahnte Planetengetriebe, damit die Kraft beim Aufzugsvorgang erhalten bleibt. Ein von Herrn Vogler unter dem eisernen Traggestell angebrachter Rahmen aus dünnen Winkeleisen besorgt das Abschalten, wenn das erste Gewicht dieses Gestell anhebt. Für den Notfall liegt noch eine Handkurbel auf dem Fensterbrett der Einhausung. Es gibt mehrere Zusatzauflagen für die Gewichte. Diese benutz man dazu, um im Winter, wenn Öle und Fette durch die Kälte zäher geworden sind, die Antriebskraft zu erhöhen. Einige liegen auf, einige wurden auch in der Empore als Kabelhalter missbraucht.

Nachgerüstet wurde ebenfalls eine moderne Nachtabschaltung für das Schlagen. Der Magnet dafür sitzt unter dem Gehwerk auf dem Fußboden und blockiert die Seilführung zu den Hämmern. Er wird durch eine an der Wand der Einhausung montierte, modernen Schaltuhr gesteuert, die sich so gar nicht in das Bild einfügen will.

Eine Besonderheit der Uhr ist die angebaute Synchronisierung des Pendels durch die Netzfrequenz des Stromnetzes, auf die Zachariä ein Patent besaß. Es ist ein in einem runden Gehäuse eingebauter Synchronmotor mit Getriebe, der eine Scheibe mit genau der Drehzahl dreht, die der Schwingungsdauer des Pendels entspricht. Wie ein Pleuel ist auf der Scheibe exzentrisch eine Schubstange befestigt, die am Ende einen Eisenwinkel trägt. Das Pendel besitzt einen Stift, auf den man die Stange mit dem Winkel auflegen kann. Schwingt das Pendel synchron mit der Drehzahl der Scheibe, bleibt der Stift in der Ecke des Winkels liegen. Weicht das Pendel ab, beginnt der Winkel am Stift aufzusteigen. Der geringe seitliche Druck genügt, das Pendel sanft mit der Drehzahl der Scheibe zu synchronisieren. Die Uhr geht dann nur so genau, wie die Netzfrequenz von 50 Hz eingehalten wird. Das dürfte zu DDR-Zeiten aber nicht funktioniert haben. Heutzutage ist die Netzfrequenz sehr konstant, trotzdem war das Gerät leider nicht in Betrieb.

Die Sanierung des Uhrwerkes 2020

Für September 2020 war die Sanierung des Vorplatzes vor der Kirche geplant, es sollte ein Denkmal für Walter Lange aufgestellt werden. Er hat es wirklich verdient, ohne sein Engagement wäre der Aufschwung der Uhrmacherei in Glashütte sicher weniger erfolgreich verlaufen. Aber wenn man an die Glashütter Uhren denkt, sollte man die Uhren in der Kirche nicht vergessen, sie sind ja auch eng mit der Geschichte der Glashütter Uhrmacherei verbunden. Deshalb entschloss sich unsere Uhrenmanufaktur „Lang & Heyne“, die Überholung des Zachariä-Uhrwerkes zu sponsoren. Schließlich sind ja die Uhren aus Glashütte auch Vorbild für die Konstruktion, Gestaltung und den Qualitätsanspruch der Armbanduhren von „Lang & Heyne“. Da die Dresdner Firma „Uhrentechnik Vogler & Hippe GbR“ die Uhr schon kannte, beauftragten wir sie mit der Überholung des Uhrwerkes. Am 23. September 2019 war es soweit, die Kollegen der Turmuhrwerkstatt demontierten die drei Werkteile und transportierten alles in ihre Werkstatt nach Dresden.

Ausbau durch die Firma Uhrentechnik Vogler & Hippe GbR
Überholung des Synchronmotors

Dort wurden die drei Werkteile komplett zerlegt, gereinigt und neu lackiert. Sicher mussten auch einige Lagerzapfen der Zahnräder geschliffen und Lager ersetzt werden. Auch die Paletten der Graham-Hemmung erhalten bei solchen Überholungen einen neuen Schliff. Der Synchronmotor für die Pendelsynchronisierung wurde auch mit überholt und die inzwischen verlorengegangene Stange mit dem Winkel ersetzt. Wir haben währenddessen die Uhrenkammer mal gründlich gereinigt, denn die Einhausung des Uhrwerkes konnten wir leider nicht neu entstehen lassen. Auch die Überholung von Zeigerwerk und Zifferblatt hätte unser Budget gesprengt, aber vielleicht springt ja hier eine der Glashütter Firmen ein? Nach dem Einbau läuft das Uhrwerk nun hoffentlich wieder für viele Jahre. Normalerweise kann man es auf Anfrage besichtigen. Leider hat die Corona-Pandemie dafür gesorgt, dass 2020 die „Glashütter Uhrentage“ und das Stadtfest, welches immer Ende Mai stattfindet, ausfallen mussten. Sonst bietet die Kirche an diesen Tagen Führungen an, zu denen auch dieses Uhrwerk gezeigt und erklärt wird. Das Denkmal für Walter Lange zeigt ihn so, wie wir ihn in Erinnerung behalten haben. Nicht größer und über uns stehend, nein ebenerdig und lebensgroß streckt er uns die Hand aus. Der Platz wirkt sauber und aufgeräumt, fast schon wieder zu geometrisch für die Kirche aus Naturstein. Vor der Sanierung gab es eine Rotbuche, darunter einen Findling mit einer Gedenktafel an das Hochwasser. Davor stand eine Bank, ein sehr gemütlicher Platz mit Blick auf die Stadt. Den Architekten passte das nicht ins Konzept und man hat den Stein entfernt, ohne sich darum zu kümmern, welchen Hintergrund seine Aufstellung hatte. Hoffen wir, dass den Uhren in der Zukunft solch ein Schicksal erspart bleibt.

Pendelaufhängung Links vorher und Rechts Nachher

Das Läutewerk der Kirche

Im Herbst 2008 wurden Teile des Dachstuhles und das Dach der Kirche saniert. Dabei wurden die eisernen Glocken durch neue bronzene ersetzt.

Schon lange zuvor wurden die Glocken elektrisch betätigt. Die Steuerung dazu war sehr interessant, und wir hatten damals die Gelegenheit, vorher noch einmal die Technik in Betrieb zu erleben. Leider verbieten heute strenge Vorschriften den Weiterbetrieb solcher Anlagen. Da die Technik fast ebenso interessant ist wie eine Turmuhr, möchte ich sie hier kurz vorstellen. Also gehen wir wieder zurück ins Frühjahr 2008:

Herr Rahm erzählte, dass es dringend nötig ist, den Glockenstuhl sowie die Blechbeplankung der Turmspitze zu erneuern und das dies auch bald geschehen wird. Die Glocken werden elektrisch bewegt, diese Vorrichtung wurde mit den Motoren 1928 eingebaut. Eine ähnliche Einrichtung findet man auf der Frauenkirche in Meißen. Eine Gliederkette liegt auf einem großen Stahlreifen an der Glockenaufhängung, unten steht ein Drehstrommotor und treibt die Kette an.
Zum Läuten muss sich die Drehrichtung des Motors im Takt des Glockenschwunges umkehren. Dazu gibt es eine besonders pfiffige Vorrichtung. Auf unsere fragenden Blicke hin zückte Herr Rahm einen Schraubenzieher und öffnete einen der Schalter, die im Vorraum an der Wand hängen. An diesen länglichen Eisenkästen ist hinten ein waagerechter Hebel mit Gegengewicht zu sehen, der über Draht und Rollen mit der Glocke verbunden ist. Herr Rahm schaltete nun das Geläut ein.

Trotz dieser Demonstration konnten wir nicht bis ins Detail klären, wie die Schalter funktionieren. Es gibt ein schwenkbar gelagertes Schwungradgetriebe, was das Kippen des darunter befindlichen Umschalters bewerkstelligt. Dahinter befindet sich ein federnder Hebel mit einer Kniehebelzunge ähnlich wie bei den Hippschen Uhren. Dadurch wird wohl ermöglicht, dass das Umschalten schlagartig erfolgt. Die anschwingende Glocke bewegt über einen Draht den außenliegenden Hebel mit dem Ausgleichsgewicht, der das darauf befestigte Getriebe schwenkt. Dadurch rotiert das Schwungrad, welches dann das Getriebe mit der Umschaltvorrichtung weiterbewegt, wenn die Glocke am Umkehrpunkt stehenbleibt und zurückschwingt. Durch die nun gegenläufige Bewegung von Glocke und Schwungradgetriebe erfolgt dann wohl die Umschaltung des Motors.
Der Antrieb wurde von den Herforder Elektrizitätswerken Bokelmann & Kuhlo geliefert.
Die Firma wurde 1896 von Eduard Bokelmann gegründet. Mit dem Eintritt von Eduard Kuhlo im Jahre 1896 beschäftigte man sich auch mit der Fertigung elektromechanischer Glockenantriebe. Der unmittelbare elektromechanische Antrieb wurde 1903 erfunden. Im Kölner Dom konnte man 1910 die damals modernste Läutemaschine installieren, mit der man drei Glocken gleichzeitig steuern konnte. Auch die Läutemaschinen des Petersdomes in Rom wurden 1931 in Herford gebaut. Damit stammen sie aus der gleichen Epoche wie die Glashütter Maschinen.

In der hölzernen Decke zum Glockenstuhl stecken noch durchbohrte Vierkanthölzer mit einem pilzförmigen Kopf. Das sind die Seildurchführungen für den Fall, dass mal von Hand geläutet werden muss.
Auch die Zeiten des Läutens wurden schon lange elektromechanisch gesteuert. Das geschah von der Turmuhr aus über ein Steuerrad, das einen Quecksilberschalter betätigte. Diese Einrichtung konnte Herr Rahm aufbewahren.

Mechanische Umschalter des Glockenantriebs
Links: mechanischer Programmschalter zum Auslösen des Geläutes | Rechts: Motor zum Antrieb der Glocken

Autor: Entwicklungsleiter Jens Schneider
passionierter Uhrmacher, verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklung der evangelische Stadtkirche St. Wolfgang in Glashütte.

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